Chronik

Die Schober Perchten Pass wurde im Oktober 2001 gegründet. Die Pass besteht derzeit aus über 30. Mitglieder. Die Masken der Gruppe, die einheitlich gestaltet wurden, sind mit Bock-, Steinbock- und Widderhörnern geschmückt. Im Vordergrund steht bei uns das Brauchtum.

DIE PERCHTEN GEHEN UM

Quelle: Salzburger Volksbräuche (Zinnburg)

In den langen Winternächten gehen nach alter Volksmeinung allerlei Geister um. Weit verbreitet und tief verwurzelt war vor allem der Glaube an die Perchten. Percht - Perchta hat zweierlei Geschlecht, die gute Frau Perchta, die gleichzusetzen war mit Frau Holle, und der böse (schiache) Percht. Der Ursprung des Perchtenkultes dürfte im germanischen Bereich zu suchen sein; dieser kannte zuerst das Mutterrecht mit weiblichen Gottheiten, wie die Erdgöttin, Nerthus usw. Durch die Indogermanen kam es zu einem Zusammenprall zweier geistiger Welten: der männliche gewann die Oberhand, und forthin nahmen viele bisher weibliche Gottheiten Zweigeschlechtigkeit an. In diese Gruppe zweigeschlechtiger Personifizierungen dürften auch die Perchten fallen.

Nach der Anschauung unserer Vorfahren war Frau Perchta ein dämonisches Wesen, halb Gottheit, halb Mensch, das in zweifacher Gestalt erschien. Einmal sprach man von ihr als von einer holden Lichtgestalt, die, Menschen und Tiere segnend, durch das Land schreitet, dann wieder erkannte man in ihr einen hässlichen Dämon, der mit Verderben und Unglück über die Menschen hereinbrach, der das Vieh erkranken ließ und der die Ernte vernichtete. Der Volksmund weiß diesbezüglich manches zu berichten.

Um den Unholden in den Raunächten wirksam entgegentreten zu können, hüllte man sich seit altersher in grauenvolle, furchterregende Masken; auf diese Weise glaubte man, sie vertreiben zu können.

Jahrhunderte hindurch wurden in den Salzburger Gebirgstälern während der Raunächte Perchtenläufe durchgeführt. In Rauris fand ein solcher 1850, in St. Johann im Pongau 1867 letztmalig statt. In St. Johann lebte er später wieder auf, aber nur in Gastein, in Altenmarkt und in St. Johann hat er sich bis in die Gegenwart erhalten, und in der Gastein wurde er trotz verschiedener Proteste sogar 1940 und 1944, also mitten im Krieg abgehalten. Die Gasteiner Perchtenläufe werden alle vier Jahre, in der Regel am Dreikönigstag, durchgeführt. Ausnahmen bestätigen auch hier nur die Regel. Da während der Kriegszeit der 6. Jänner kein Feiertag war, wurde jeweils ein Sonntag gewählt. Der erste Perchtenlauf nach dem Krieg fand in Bad Gastein am 11. Jänner 1948 und in Hofgastein am 18. Jänner desselben Jahres statt.

Im Zusammenhang mit den Perchten spricht man immer wieder vom Perchtenlauf, es ist aber eigentlich gar kein Lauf, sondern mehr ein würdevoller Zug durch die Straßen, denn die oft bis 50 Kilogramm schweren und bis 2,20 Meter hohen Kappen, noch dazu acht bis zehn Stunden auf dem Kopf getragen, erlauben nur eine gemessene Bewegung.

Schon von weitem hört man den näher kommenden Zug, an dem neuerdings meistens 80 bis 140 Perchten teilnehmen. Zum Unterschied von früher und gegenüber anderen Raunachtsbräuchen findet nunmehr der Gasteiner Perchtenlauf bei Tage, etwa zwischen 9 und 18 Uhr statt. Die Spitze macht der Vorreiter, dann folgen Tafelperchten mit ihren großen, mit allerlei Flitter, Tandwerk, Spiegeln und Bändern bunt geschmückten Kappen, die vom uniformierten Perchten Hauptmann geführt werden. Unter den Tafelkappen sieht man auch mehrere Jagdkappen, die mit allerlei ausgestopftem Getier, Tannengrün und aufgebundenen Ästen geziert sind, ein Zeichen, dass die Träger das Weidwerk achten. Am auffälligsten unter den Tafelperchten ist die "Schiache Jagdpercht", die auf ihrer Kappe tote Mäuse, Ratten und noch vielerlei anderes Ungetier trägt; sie soll die Bauern ermahnen, noch vor dem Frühling die Ställe und Scheunen von Ungeziefer und Mist zu reinigen. Nach ihnen folgt noch eine große Schar von Begleitern. Da ist zunächst ein lustiger Schneider, der sich mit einer langen Karnevalsschere im Rücken der Zuschauer anpirscht, um ihnen mit einem schnell Schwups den Hut vom Kopf zu reißen und ihn zum Ärger des unachtsamen Besitzers auf einen hohen Telegraphenmasten oder einen Baum zu setzen. Die interessanteste Figur ist zweifellos der so genannte "Bamwercha", ein ganz in Baumflechten eingehüllter Mann. Sowie der Zug vor einem Haus Halt macht, um den Bewohnern mit seinem Spiel, dem Tanz und der darauf folgenden Verneigung (Reverenz) die Ehre zu erweisen, klettert der "Bamwercha" mit ungemeiner Behändigkeit entlang der Dachrinne bis zum Giebel des Hauses. Von hinten haben sich inzwischen schon der Rauchfangkehrer und die Hexe auf das Hausdach geturnt und beginnen nun von oben mit langen Besen die nichts ahnenden Zuschauer mit Schnee anzukehren. Viele Teufelsgestalten mit wild verzerrten Fratzenköpfen und gewaltigen Hörnern geben dem ganzen Zug ein schaurig-schönes Gepräge. Zu erwähnen wären auch noch die Gestalten des Richters, des Mohren und des Türken, die von ihren "Gemahlinnen" – ebenfalls verkleideten Burschen – begleitet werden; sie stellen eine volkskundlich gesehen jüngere Nachbildung der Heiligen Drei Könige dar. Unter den Nachzüglern gefallen besonders der Ölträger und der Quacksalber, die auch heute noch so auftreten, wie sie von Eysn 1910 beschrieben wurden. Natürlich fehlt auch der Hanswurst nicht. Weitere Figuren sind der Schleifer, der Rastelbinder, die Zigeunerin, die Schnabelperchten, der Wurzelgräber, das Körblweibl und der Wilderer. Ziemlich am Schluss folgt die Figur der Glockenpercht mit einem Gestell voll Kuhglocken; den Schluss macht der Bärentreiber mit seinem zottigen Bären. Die beiden haben die Aufgabe, die vielen nachströmenden Zuschauer aufzuhalten. Immer wieder kommt es in den Straßen zu lustigen Szenen. Mädchen werden eingefangen und vor den Richter geführt, oder an Ort und Stelle mit einem zerfransten Hexenbesen "säuberlich" abgekehrt; der Jäger fängt den Wildschützen, es kommt zu einem kurzen Handgemenge, Jäger, Wildschütz und sogar oft Zuschauer wälzen sich als bunter Knäuel im glitzernden Schnee...

Zahlreiche Zuschauer folgen jeweils dem langen Zug, der überall mit großer Freude aufgenommen wird, denn er verheißt nach altem Volksglauben ein fruchtbares, erfolgreiches und segensreiches neues Jahr. Stundenlang sind die Perchten unterwegs, mühsam ist für sie der lange Weg, aber mit größtem Eifer halten sie an der Tradition fest.

VOM NIKOLAUS- UND KRAMPUSGEHEN

Am 5. und 6. Dezember wandert nach altem Brauch in Dörfern und Städten der hl. Nikolaus von Haus zu Haus. Er richtet an groß und klein seine Mahnworte, und wo es sein muss, tritt der Krampus, der finstere Begleiter des heiligen Mannes, hervor und straft mit seiner langen Rute.

Das Vorbild unseres heutigen Nikolaus aber wurde in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts in Lykien, einer Landschaft Kleinasiens, als einziger Sohn frommer Christen geboren. Kaum herangewachsen, machte es sich der junge Mann zur Aufgabe, das von seinen früh verstorbenen Eltern ererbte Vermögen den Armen zu schenken, ohne dass die Bescherten wissen sollten, woher die Gaben kämen. So ist bekannt, der er drei Mädchen, die wegen ihrer Armut keinen Freier fanden, der Reihe nach, heimlich in der Nacht, einen Goldbeutel ins Zimmer geworfen hat.

Bald wurde Nikolaus Bischof von Myra; man sprach ihm die wunderbaren Kräfte zu, Stürme zu entfachen und besänftigen zu können. Auf diese Weise wurde er Patron der Seefahrer, der Hilfsbedürftigen und Kinder. In vielen Hafenorten stehen heute noch Nikolauskirchen.

Trotz mancher Einwände von Seite ängstlicher Pädagogen und kirchlicher Stellen ist es üblich, dass mit dem Nikolaus als dem Symbol für das Gute auch der Vertreter alles Dunklen und Bösen in der Person des Krampus mitgeht, um dort, wo nichts zu loben ist, zu strafen und abzurechnen.

Früher wurde in manchen Bauernhäusern schon lange vor der "Krampuszeit" an wundervollen Masken geschnitzt; die schönsten davon stammten aus dem Pongau und Pinzgau. Heute ist dieser Brauch fast erloschen, nur manchmal ist ein bäuerlicher Schnitzer noch mit solchen Arbeiten beschäftigt. Die grimmige Holzmaske wird zum Schluss mit schwarzen Ziegenfellen überzogen und durch aufgesetzte Bockshörner möglichst furchterregend gestaltet.

Am späten Nachmittag des 5. Dezember, also am Vorabend des Nikoloabends, versammeln sich die Beteiligten in ihrer Vermummung in einem abgelegenen Bauernhaus. Fürchterliche Masken sind nun zu sehen, wildverzerrte Perchtenköpfe mit zwei, vier, acht Hörnern, langen Zungen und, als Errungenschaft der modernen Technik, manchmal auch mit beleuchtbaren Augen.

Bevor sich die Burschen mit ihren Masken vermummen, trinken sie sich gerne noch gegenseitig mit doppelt gebranntem Gebirgsschnaps etwas Mut zu, denn Krampusse müssen wild sein; auch der Nikolaus soll im Fluss seiner Rede nicht stecken bleiben. Nun ziehen sie ihre schreckerregende Kleidung an. Fürchterlich sehen sie aus, diese Gebirgskrampusse; ganz in schwarzes Fell eingehüllt, pferdefüßig, mit langen Ketten und Ruten in den Händen und einer Buckelkraxe am Rücken, um darin die Unfolgsamen mitnehmen zu können. Viel harmloser dagegen tritt der Nikolaus auf. Er ist eine schöne, große Gestalt, in einer wallenden Tunika, die man sich vielleicht vom Pfarrherrn ausgeborgt hat. Eine prächtig verzierte Bischofsmütze krönt das weißgelockte Haupt, ein wallender Bart bedeckt die Brust. In vielen Orten des Salzburger Landes hat der Nikolaus auch goldene Schuhe und weiße, seidene Handschuhe an; in der einen Hand hält er das "Goldene Buch", in dem alle guten und bösen Taten aufgeschrieben stehen, in der anderen führt er den Bischofsstab.

Es ist bereits finster geworden; es wird Zeit zum Aufbruch. Mit großem Lärm und Spektakel, die langen Ketten um sich schleudernd, springen unter höllischen Brrrr-Rufen die Krampusse - denn meistens sind es ja deren mehrere, die den heiligen Mann begleiten - auf die Straße. Dort ist an diesen beiden Abenden wohl niemand außer dem Nikolaus vor einem Rutenstreich sicher. Mitten unter der höllischen Schar geht er mit würdevollen Schritten einher. Von weitem schon hört man den Lärm des näher kommenden Zuges. Die Kinder, die vor kurzer Zeit vielleicht noch zum Fenster hinausschauten, laufen schnell in die Stube, um sich unter einer Bank, im Bett oder hinter dem Kittel der Mutter zu verbergen.

Jetzt kommt der Zug zum ersten Bauernhaus. St. Nikolaus pocht mit seinem langen Stab an die schwere Haustür, der Bauer selbst öffnet und lässt nach einer kurzen Begrüßung den heiligen Mann mit seinem wilden Gefolge ein. Auch in der Stube sind die Krampusse nicht ruhig. Sie springen wie toll umher, versuchen dieser oder jener Magd mit ihren Ruten eines auszuwischen, selbst die Bäuerin ist nicht sicher vor ihnen. Ein Zeichen des Nikolaus aber lässt alle Krampusse stillstehen. Nun schlägt er das große Buch auf und verliest ernst und würdevoll die guten und die bösen Taten jedes einzelnen im verwichenen Jahr. Hin und wieder gibt er den Krampussen ein Zeichen, was sofort wieder Leben in die Horde bringt. Unter lautem Schreien stürzen sie sich auf die vom Nikolaus bezeichnete Person, um sie entsprechend in ihre Kur zu nehmen. Danach beschenkt der heilige Mann die Braven mit Klotzen, Äpfeln, Birnen oder Nüssen. Die Kinder aber müssen vorher noch ein frommes Gebet verrichten.

Mit vielen Worten der Ermahnung ziehen Nikolaus und Krampusse endlich von dannen. Von Hof zu Hof geht nun die Wanderung, bis in die späte Nacht hinein, und wenn Bauer und Bäuerin schon lange in ihren Betten liegen, schreckt sie oft noch das Kettenklirren der vorbeiziehenden "ungleichen Gesellschaft" aus dem Schlaf.